Marktplatz 1

Erstmals urkundlich erwähnter Besitzer des Gebäudes "Marktplatz 1" war Georg Hensell, der darin ein Brau- und Mälzhaus betrieb. Im Lauf der Zeit wechselten immer wieder die Besitzer, bis die Baulichkeiten durch die großen Stadtbrände von 1678 und 1704 vernichtet wurden. 1817 erwarb Karl Ludwig Gräfe, Bürgermeister von Schandau, das Grundstück und richtete auf diesem eine Schankwirtschaft ein, für die er 1839 die Gasthofsgerechtigkeit erhielt und zugleich die Erlaubnis, die Wirtschaft als „Gasthaus zum Dampfschiff“ zu benennen. Zu jener Zeit bestand das Gebäude nur aus dem Erdgeschoss und einem oberen Stockwerk. 1847 wurde das Anwesen laut Schandauer Badeliste bereits an Badegäste vermietet. Im Januar 1851 verkaufte Gräfe an den Hotelier Bode, der 1853 die Elbfront im klassizistischen Stil errichtete. 1868 kaufte F. Louis Rohde das „Hotel zum Dampfschiff“ und erneuerte 1882 das Marktgebäude mit Droschkenremisen und dem Wappenstein als Schlußstein über dem Eingangsportal. In den Jahren 1914/15 erfolgte ein weiterer Umbau bzw. die Vergrößerung des Hotels. Das Hotelgebäude bildet seitdem elbseitig eine geschlossene Front mit dem benachbarten Gebäude „Marktplatz 3“ und erhielt neben einer neuzeitlichen, zweckgemäßen inneren Ausstattung eine repäsentative Fassade mit großzügigen Balkonen auf jeder Etage. Auch die Dachkonstruktion wurde neu gestaltet. Seit knapp 100 Jahren präsentiert sich das Gebäude nunmehr im gleichen Gewand.

Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich in den 20ger und 30ger Jahren ein beachtenswertes Hotel. Während des 2. Weltkrieges wurde ein Lazarett für Verwundete eingerichtet. Der Sohn von F. Louis Rohde, Alfred Rohde, führte das Hotel bis Kriegsende 1945, danach folgte die Enteignung durch die sowjetische Besatzungsmacht. 1948 wurde das Hotel vom Justizministerium der DDR übernommen und als Richterschule für die Ausbildung von Richtern und Staatsanwälten genutzt. Von 1954 bis zur Wende 1990 diente es dem FDGB als Ferien- und Erholungsheim und ging dann im Dezember 1990 in das Vermögen der Treuhandgesellschaft über. Im Sommer 1992 kaufte eine Münchner Firma das Objekt von der Treuhand, doch alle Betreiberpläne, die mit dem Erwerb einher gingen, verfielen ebenso wie das Gebäude selbst.

  • Markt 1 alt
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